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Steuerinformationen
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Ein paar Informationen
  zum Thema Steuern

Der größte Teil der Steuerliteratur weltweit kommt aus Deutschland?

Edmund Stoiber hat 2003 von „weit über 60 Prozent" gesprochen, Hans-Olaf Henkel dieses drei Jahre später wiederholt. Und Guido Westerwelle nannte 2009 im Bundestagswahlkampf sogar einen Wert von "70 bis 80 Prozent" – obwohl der Anteil deutscher Steuerzahler weltweit bei lediglich 2% läge.

Der inzwischen emeritierte Finanzforscher Albert Rädler hat 2011 diese Behauptungen mit einem simplen Maßband als Mythos entlarvt. Ort des Geschehens: die Bibliothek des Amsterdamer International Bureau of Fiscal Documentation (IBFD), eine der umfassendsten Sammlungen von Steuerliteratur weltweit. Rädler maß aus, wie viele der insgesamt 2000 Regalmeter auf Bücher und Zeitschriften entfallen, die sich mit dem deutschen Steuerrecht beschäftigen.

Das Ergebnis: Nur etwa 200 Meter, also rund zehn Prozent. Ergänzend wurden die elektronischen Bestände ausgewertet: Hier lag der Anteil bei knapp 15 Prozent.

Und noch ein Vergleich: Eine Studie der Weltbank und der Beratungsfirma PwC hat den Umfang der Unternehmensteuergesetze in verschiedenen Ländern verglichen. In Deutschland passen die Bestimmungen und Paragrafen auf 1.700 Seiten – in den USA werden dagegen 5.100 Seiten, in Japan sogar 7.200.1

Die Idee mit dem Bierdeckel

2003 machte der damalige CDU-Fraktionsvize im Bundestag, Friedrich Merz, im Bundestag einen spannenden Vorschlag: Jeder Bürger sollte seine Einkommensteuererklärung auf einem Bierdeckel machen können. Selbst Angela Merkel, damals noch nicht Kanzlerin, erklärte, eine derart einfache Steuererklärung wäre wünschenswert.

Passiert ist seitdem nichts. Der Grund ist – wie immer – die Frage: Ist ein einfaches Steuersystem gerecht?

Friedrich Merz ist übrigens nicht der erste, dessen Idee eines einfacheren Steuersystems scheiterte. Und es war auch nicht der Steuerprofessor Paul Kirchhof, Schattenfinanzminister im Wahlkampf 2005 von Angela Merkel, und später in der Versenkung verschwunden.

Peter Bareis, Professor für betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Universität Stuttgart-Hohenheim, veröffentlichte im November 1994 seine „Thesen zur Reform des Einkommensteuerrechts", einstimmig erarbeitet von einer Kommission aus Wissenschaftlern, Finanzrichtern und Verwaltungsbeamten. Eingesetzt hatte diese Kommission der damalige Finanzminister Theo Waigel (CSU).

Kern der Thesen: Steuervergünstigungen und Vorschriften, die der Wirtschaftsförderung dienen, sollten aus dem Einkommensteuerrecht entfernt werden. Die so gewonnenen Mehreinnahmen dürfe der Staat aber nicht für sich behalten, sondern müsse in gleichem Maße die Steuern senken.

Waigel wies seinerzeit die Vorschläge der Bareis-Kommission als ungeeignet zurück.

Steuerkultur und Steuermoral in Deutschland 2014

  • 95 Prozent der Bürger sind der Ansicht, dass der Staat viel zu verschwenderisch mit ihrem Geld umgeht.
  • 85 Prozent finden ihre persönliche Steuerbelastung zu hoch.
  • 64 Prozent erachten den zeitlichen und finanziellen Aufwand zur Erfüllung der steuerlichen Pflichten als zu hoch (21 Prozent sogar als „sehr hoch“).
  • 82 Prozent fordern ein Ende der kalten Progression, bei der Einkommenssteigerungen durch höhere Steuersätze und Inflationseffekte aufgezehrt werden.
  • 82 Prozent der Bürger halten Steuerhinterziehung für generell unmoralisch.
  • 62 Prozent sind davon überzeugt, dass Steuerhinterziehung stets Steuerhinterziehung bleibt – auch wenn es nur um geringe Beträge geht.
  • Studie „Steuerkultur und Steuermoral in Deutschland 2014“, Forschungsstelle für empirische Sozialökonomik (Fores), im Auftrag von Bund der Steuerzahler (BdSt) NRW (ausgewählte Ergebnisse)

Steuererklärungen sind zu komplex

Ein Forscherteam um Kay Blaufus von der Europa-Universität-Viadrina in Frankfurt/Oder beziffert den Zeitaufwand für das Erstellen einer Einkommensteuererklärung in einer empirischen Untersuchung 2011 auf 5,7 Stunden pro Haushalt.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft kam 2013 auf sechs Stunden pro Person, insgesamt also 142 Millionen Stunden im Jahr, die die Deutschen für ihre Steuererklärungen benötigen. Fazit: Würde es schneller gehen, könnte die Wirtschaft um 0,3 Prozent wachsen.

Der Dezember ist „Steuergesetz-Monat”

Das zeigt eine Studie von drei Forschern der Frankfurter Goethe-Universität. Frank Blasch, Tina Klautke und Alfons Weichenrieder untersuchten Steuergesetze, die zwischen 1951 bis 2004 erlassen wurden und stellten fest, dass fast jede vierte Neuregelung im Dezember in Kraft tritt. Resultat: Steuerzahler und Berater müssen sich unter Zeitdruck auf diese Neuerungen einstellen.

Die deutsche Steuerliteratur könnte weniger ausschweifend sein

Ein Beispiel dafür sei die Fachliteratur zur 2008 eingeführten „Thesaurierungsbegünstigung"*. Der Tübinger Professor Franz Wagner bezeichnet dies als „ein Rechenexempel, das nur einmal gelöst werden muss". Zwei bis drei gute Studien würden reichen, um das Thema erschöpfend zu behandeln. Er zählte allerdings 114 Aufsätze dazu. Die meisten lieferten keinerlei neue Erkenntnisse.1

  • *eine steuerliche Regelung, die im Rahmen der Unternehmenssteuerreform in Deutschland ab 1. Januar 2008 eingeführt worden ist. Damit soll die Steuerbelastung von Personengesellschaften und Einzelunternehmern an die niedrigere Steuerbelastung der Kapitalgesellschaften angeglichen werden und außerdem ein Anreiz für eine bessere Eigenkapitalausstattung entstehen.
  1. Deutschland als Weltmeister der Steuerliteratur? Fallstudie einer Legende
    Perspektiven der Wirtschaftspolitik
    Volume 12, Issue 3, August 2011, Pages: 303–316, Franz W. Wagner and Susanne Zeller